Silvio Berlusconi ist keine Witzfigur

no 30. November 2008

Okay, es wird kaum einen geben, der diese Szenen nicht gesehen hat, nicht Neues; trotzdem sollen sie natürlich auch hier archiviert werden (falls jemand das Ding mit deutschen Untertiteln findet, wäre ich für einen Hinweis dankbar).

Wer diese Dimension von Selbstgerechtigkeit und Ignoranz nicht im privaten, im Geschäfts-/Arbeitsleben, am eigenen Leib erfahren hat, wer nicht erlebt hat, wie sie im Lauf der Jahre zur Alltäglichkeit wird, der weiß gar nicht, der hält es gar nicht für möglich, dass es sie gibt. Und genau das ist die große Gefahr. Denn auch wenn er so aussieht, und auch wenn ihn momentan innerhalb weniger Monate das Schicksal Michael Jackson’s zu ereilen scheint: Silvio Berlusconi ist keine Witzfigur. Das begreift man aber erst, wenn man jeden Tag mit denen zu tun hat, die ihn produzieren.

Kleiner Mussolini für 1500 Euro

no 27. November 2008

Eine neofaschistische Partei bietet den Bewohnern von fünf entvölkerungsgefährdeten Dörfern in der Basilikata “sofort 1500 Euro für ein Kind mit dem Namen Benito oder Rachele”.

1500 Euro für jedes Kind, das zu Ehren Mussolinis auf den Namen Benito oder Rachele getauft wird. Die Aktion des Movimento Sociale Fiamma Tricolore der Basilikata (Region in Süditalien) soll “eine Antwort auf das Entvölkerungsproblem der Region” sein.

Bedingungen: Die Geburt muss im Jahr 2009 in einem von fünf bestimmten Dörfern im Süden der Region erfolgen, das Geld muss für das Neugeborene benutzt werden (um Kinderwagen, Kleidung, Nahrungsmittel zu kaufen).

Die Aktion, so der Parteisekretär der Region, sei auch ein Weg “die Wurzeln unserer Partei zu ehren”.

[Quelle: Solleviamoci]

Italien auf dem Weg in den Faschismus

no

In kurzer Zeit hat sich in meinem kleinen Dorf am Meer viel verändert. Wir überlegen, weiter zu ziehen. Ist natürlich keine Kleinigkeit, sich schon wieder aufzuraffen, schulpflichtiges Kind mitzuschleppen…

Scheint sich aber langsam rum zu sprechen, dass das, was sich momentan in Italien entwickelt, keine Komödie mehr ist und nicht nur Italien angeht.

Das Polit-Café Azzoncao präsentiert vier Informationsveranstaltungen in Deutschland unter dem Motto “Kennst Du das Land, in dem die Zitronen blüh’n”. Genaueres bei Analyse, Kritik & Aktion.

Einen begleitenden, sehr ausführlichen Artikel gibt’s bei indymedia.org.
L e s e n s w e r t !

Ich zitier mal ein paar Zeilen:

Schon bei den vorletzten Wahlen ging die amtierende Regierungskoalition ein Bündnis mit 5 originären Faschistenparteien, der Azione Sociale von Mussolinis Enkelin Alessandra Mussolini, der Forza Nuova des Ex-Terroristen Roberto Fiore, der Fiamma Tricolore von Pino Rauti und anderen gläubigen Faschisten, ein.

In den 70er Jahren war Silvio Berlusconi Mitglied der faschistischen Geheimloge Propaganda Due (P2) […] Seinem damaligen Protektor und ehemaligen Großmeister der P2, dem Faschisten Licio Gelli versorgte Berlusconi vor kurzem mit einer eigenen Fernsehsendung. In dieser Sendung kann dieser nun seine Version der italienischen Geschichte den geneigten KonsumentInnen zukommen lassen.

In sein neues Kabinett berief Berlusconi Roberto Calderoli von der Lega Nord […] Roberto Calderoli anlässig des WM Titels 2006 im Spiel gegen Frankreich: “Es ist ein Sieg der italienischen Identität und einer Mannschaft aus Lombardern, Venetern, Neapolitanern und Kalabriern über eine Mannschaft, die ihre Identität für Resultate geopfert hat und in der Neger, Muslime und Kommunisten spielen.”

Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer ist Gianfranco Fini von der Allianza Nazionale (AN, vormals MSI) geworden. Fini, war der Zögling des Faschistenführers und MSI-Gründers Geogio Almirante und Präsident der faschistischen Jugendorganisation in den 70er Jahren.

Verteidigungminister Italiens ist seit dem 8. Mai 2008 der Ex-MSI-ler und AN-Mitglied Ignazio La Russa, der derzeit das Militär unter dem ausgerufenen Notstand im Landesinneren einsetzt (ein Notstand der angeblich wegen der Terrorismusgefahr und der Kleinkriminalität von Migranten ausgerufen wurde! Bei einem Parlament bei dem gegen fast 20% der Mitglieder wegen Mafia-Verbindungen ermittelt wurde.) Und so stehen in größeren Städten Italiens Militärfahrzeuge mit Soldaten an Bahnhöfen und öffentlichen Gebäuden, als handele es sich um einen putschgefährdeten lateinamerikanischen Staat. Am 11. Mai übernahm La Russa als Nachfolger des Parteivorsitzenden Gianfranco Fini das Amt des Vorsitzenden der AN bis zu deren endgültiger Fusionierung mit der Forza Italia zum PdL.

Faschismus in Italien

Schwere Unfälle in italienischen Schulen

no 26. November 2008

Schulen in Italien. Unterricht in abruchreifen Gebäuden.

Wird sich auch außerhalb Italiens herumgesprochen haben, dass vor ein paar Tagen wieder einmal Schülern die Decke des Klassenzimmers ihrer baufälligen Schule auf den Kopf gefallen ist. Diesmal gab’s zum Glück nur einen Toten, ein 17-jähriger Junge.

Tatsache ist: Italiens Schulen lösen sich buchstäblich auf, der Schutt rieselt von den Decken, lose Fliesen und Fußböden, freiliegende Elektrokabel. Der italienische Konsumentenschutzverband Codacons urteilt, dass 3 von 4 Schulen als nicht sicher einzustufen sind. Außerordentliche Wartungsarbeiten sind dringend erforderlich, aber kein Geld.

Das Nationale Institut für die Versicherung gegen Arbeitsunfälle INAIL gibt an, dass im Jahr 2007 mehr als 90.000 Schüler und 13.000 Lehrkräfte Verletzungen in Schulgebäuden erlitten haben.

Ein großer Teil der Schulen dürfte überhaupt nicht geöffnet sein. Laut INAIL sind für die Hälfte der Gebäude die vom Gesetz geforderten Bewohnbarkeits-, Benutzbarkeitsbescheinigungen nicht vorhanden, in 36% der Gebäude sind die elektrischen Anlagen nicht normkonform, es gibt keine Brandschutzertifikate, keine Evakuierungskonzepte…

Zu dem Wartungsnotstand kommt das Alter. 95% der Schulgebäude in Italien wurden vor 1990 gebaut, 65% vor 1965. Eine von zehn italienischen Schulen war ursprünglich gar keine Schule, sondern eine Kaserne oder ein Veranstaltungsort für Seminare… Die Schüler sind erst zu einem späteren Zeitpunkt eingezogen, die Gebäude wurden so weit wie nötig angepasst.

[Quelle: cipnazionale.it]

Soeben wurde eine als Schulreform verkaufte Kürzung der für europäische Verhältnisse sowieso schon extrem geringen Mittel durchgesetzt. Die anhaltenden Proteste der Schüler und Studenten werden im Geheimauftrag des Staates niedergeknüppelt.

Italienische Presse: “Il Manifesto” und “Liberazione” am Ende

no 13. November 2008

“Il Manifesto” und “Liberazione”. Die linken Tageszeitungen Italiens stehen vor dem Aus.

Il ManifestoKritische Stimmem zum Verstummen bringen. Nächster Programmpunkt des Berlusconi-Regimes ist die Presse. Natürlich die linke.

Die Subventionen für Parteiblätter und Non-Profit-Genossenschaften im Medienbereich wurden gekürzt, sollen ganz gestrichen werden.

Für die linke Tageszeitung “Il Manifesto” kann das nur das Aus bedeuten. Seit Anfang des Jahres hat die Zeitung keine Zuschüsse mehr erhalten. Vor ein paar Tagen veröffentlichte “Il Manifesto” einen Spendenaufruf an die Leser, um den drohenden Bankrott abzuwenden.

Auch “Liberazione”, Parteiblatt der Rifondazione Comunista, droht das Aus. Die Schließung, so der Parteisekretär, sei ohne drastische Ausgabenkürzungen und Streichung von Stellen unabwendbar. Die Belegschaft streikt. Gestern ist “Liberazione” nicht erschienen.

Italienische Kche
Die italienische Küche





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