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Das Berlusconi-Prinzip

Lange nichts geschrieben hier, was denn auch? Es funktioniert einfach.

Am Freitag, den 28.10.2010 sind die ersten fünf Seiten aller italienischen Tageszeitungen voll vom Skandal um eine schöne Siebzehnjährige. Per persönlichem Telefonanruf beim Assistenten des Mailänder Polizeichefs erwirkte Berlusconi nach deren Verhaftung wegen Diebstahls ihre sofortige Freilassung und ließ sie von seiner Dentalhygienikerin und heutigen Abgeordneten der Region Lombardei Nicole Minetti direkt beim Mailänder Präsidium abholen. Es handle sich nämlich, so Berlusconi am Telefon, um eine Nichte Mubaraks (sie ist die in Messina aufgewachsene Tochter eines marokkanischen Gemüsehändlers). Die Linke fordert auf zweieinhalb Seiten seine Entlassung aus dem Amt, die Rechte spricht auf zweieinhalb Seiten von einem Komplott; alles wie immer. Die eigentlichen Nachrichten gehen dabei planmäßig unter, z. B. die Meldung, die es in diesen Tagen in kaum eine Nachrichtensendung geschafft hat und in der Repubblica, einer der größten italienischen Tageszeitungen, ganz klein unten auf Seite 2 zu finden war: Die Ministerin für Bildung, Hochschule und Forschung Mariastella Gelmini kürzt die finanziellen Mittel für die Studienbeihilfe um 90% (neunzig)”. Das interessiert natürlich kein Schwein im Moment.

Das ganze Gesülze um Amtsmissbrauch und Pädophilie geht zur allgemeinen Belustigung noch ein paar Tage weiter, dann erscheint Berlusconi völlig überraschend beim Mailänder Motorradsalon, labert da ein bisschen rum und lässt wie zufällig den Spruch vom Stapel, der um die Welt gehen soll: “Lieber hinter schönen Mädchen her, als schwul zu sein”. Der hat gesessen. Die Sache läuft mal wieder wie am Schnürchen. Die Welt schreit auf, Schwulenvereinigungen gehen auf die Barrikaden, empörte Hollywood-Schauspieler werden zitiert, Facebooker heften sich überall im Netz rumfliegende Unmutbekundungen auf die Profilseiten und eine Woche später ist der Spuk vorbei. Was außer der Studienbeihilfe in diesen Tagen noch alles um 90% gekürzt wurde, werden wir erst Wochen später erfahren. Zur Sicherheit legt Berlusconi am Abend desselben Tages aber noch nach und verkündet Alessandro Del Piero von Juventus Turin zum AC Mailand holen zu wollen.

4 Reaktionen zu “Das Berlusconi-Prinzip”

  1. markNo Gravatar

    Es ist wirklich erschreckend, ihr habt da unten nicht nur das bessere Wetter, nein, euer oberster Patron schlägt mit seinem Unterhaltungswert die gesamte politische Prominenz der BRD um Längen.
    Gut, wir haben die Guttenbergs die sich um ALLES kümmern, aber sonst?
    Zugegeben wurde auch bei uns letztens das Bafög erhöht, aber das bekommt man ja auchnur durch geschickte Schachzüge und Verschleierung seines Einkommens bis zur kompletten Unkenntlichkeit.
    Löhne werden bei uns ja auch keine mehr gezahlt und der “Normalverdiener” wird zum Aufstocker.

    Lesen kann ich das ganze natürlich auch in der Nicht-Springer und Artverwandten Presse. Die Frage ist nur: Will ich das?

    Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich lieber die Frau Merkel beim Anbahnen einer “sexual relationship” mit einem ganz jungen Kerl via Chat sehen und wie dann Frau Guttenberg hinter Hecke vorspringt und “Tada!” ruft.
    Während im Nebenplot der Loddar Maddäus Double Karl Gustav Willhelm von und zu und mit Guttenberg sein bestes Stück durch ein Glory Hole baumeln lässt. Oder so.

    Ich will Unterhaltung.
    Oder um es mit Curt zu sagen

    “Here we are now, entertain us.”

    Deswegen Lieber Dirk, Freue Dich am Wetter, am Wein und am Meer und genieße es.
    Sollte das nicht helfen, dann werde katholisch.

  2. noNo Gravatar

    Das hilft, vielen Dank!

  3. VernonNo Gravatar

    Der Berlusconi macht es anscheinend richtig. Er haut irgendeinen saudummen Spruch raus, ohne darüber nachzudenken und lenkt damit von wirtschaftlich relevanten Nachrichten ab. So kann man es machen und seine Politik vertuschen.

    Trauri was da abgeht. Ich will nicht behaupten, dass bei uns wichtige Themen nicht vertuscht werden, aber in Italien ist die Sensationsgier ja riesig…

  4. kortissimoNo Gravatar

    Im Regierungspalast Palazzo Chigi hat Berlusconi übrignes auch der Mars-Statue aus dem Jahr 170 nach CHristus wieder sein primäres Geschlechtsmerkmal per Restauration verpassen lassen…
    http://www.repubblica.it/cronaca/2010/11/18/news/statue_palazzo_chigi-9230481/?ref=HREC2-6

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