Silvio Berlusconi und die Nekrophilie

Über Silvio Berlusconis nachvollziehbare Vorliebe für den oralen Sex wird seit der Vorstellung seiner Ministerinnen in allen italienischen Bars gewitzelt, jetzt outet er sich mit einer anderen Neigung.

Grade kurz die Google-News im Zusammenhang mit dem Putsch in Sachen Sterbehilfe überflogen, um zu sehen, was von der Sache wie in Deutschland angekommen ist.

Fast alles: Ein Vater ist den Weg durch alle Instanzen gegangen bis das Verfassungsgericht in Rom bestätigte, dass er seine seit 17 Jahren im Koma liegende Tochter endlich sterben lassen darf. Ratzinger und seine Untertanen inszenieren eine beispiellose Hetze, an der sich die Medien gerne beteiligen. In der Nacht, in der die Patientin in ein privates Krankenhaus überführt wird (die italienische Regierung hatte noch im vergangenen Monat eine Verfügung erlassen, nach der staatliche Krankenhäuser zur fortwährenden Versorgung von Koma-Patienten verpflichtet sind), säumen tausende von Protestlern die Straßen, Kamerateams der Fernsehsender begleiten den Krankenwagen. Die Überführung wird zum Konvoi. “Stoppt den Mörder!”. Da kommen mir beim Tippen nochmal die Tränen (das dürfen sie ja in meinem privaten Blog).

Jetzt hat sich auch Silvio Berlusconi eingeschaltet und erließ eine Notverordnung gegen das höchstrichterliche Urteil, um das Leben der Patientin, die seit 48 Stunden nicht mehr künstlich ernährt wird, zu retten, denn so sagt er:

Theoretisch könnte sie sogar noch Kinder gebären.

[”…potrebbe anche in ipotesi generare un figlio…”]

Frauen Italiens, bewaffnet Euch!

(positive Randnotiz: Erstmalig hat sich der greise Ex-Kommunist Giorgio Napolitano, der momentan den Präsidenten der Republik gibt, geweigert ein Berlusconi-Gesetz zu unterzeichnen; ich dachte, das würde er selbst bei einer Gesetzesvorlage zur Wiedereinführung der Todesstrafe nicht tun.)

Illegale Einwanderung ist in Italien eine Straftat

Illegale Einwanderer zahlen in Italien künftig Geldstrafen bis zu 10.000 Euro. Der italienische Senat verabschiedete vor ein paar Tagen eine entsprechende Gesetzesänderung. Illegale Einwanderung ist danach ein Straftatbestand.

Die Idee an sich muss man ja wohl kaum kommentieren.

Interessant sind die Zahlen: Nach der Social Card für Familien mit Kindern, die ein Jahreseinkommen von unter 6.000 Euro haben, jetzt Strafen von bis zu 10.000 Euro für illegale Einwanderer.

Ich frage mich, wieviele illegale Einwanderer es wohl gibt, die 10.000 Euro bezahlen können. Wahrscheinlich genauso viele, wie Familien mit Kindern mit einem Jahreseinkommen unter 6.000 Euro.

Social Card - Sozialhilfe auf italienisch

Social Card für italienische Staatsbürger in Italien

In einigen deutschen und schweizer Zeitungen lese ich gestern: “Rentner und Familien mit Kindern unter drei Jahren und einem Jahreseinkommen unter 6000 EURO erhalten ab sofort eine mit 120 EURO aufgeladene Kreditkarte. Ab Januar wird die “Social Card ” mit monatlich 40 EURO aufgeladen.”

italienische social cardFehlt noch eine kleine Information: Die Social Card gibt es ausschließlich für italienische Staatsbürger. Wer sonst in Italien arbeitet, seine Steuern zahlt und seine Kinder zur Schule schickt, kommt nicht in den fragwürdigen Genuss.

Schöne Grüße an die Millionen von italienischen Staatsbürgern, die in Deutschland seit Jahrzehnten Wohngeld, Sozialhilfe, …, … beziehen. Ciao!

Internazionale, Italien außerhalb Italiens

Internazionale im Facebook

Internazionale veröffentlicht jede Woche Übersetzungen von Artikeln der internationalen Presse ins Italienische, Artikel, in denen es natürlich oft auch um italienische Themen geht.

Für Italiener und in Italien Lebende sollte Internazionale angesichts der seit Jahrzehnten andauernden Gehirnwäsche der italienischen Medien Pflichtlektüre sein.

Hochinteressant ist es zum Beispiel, Keywords des politischen Tagesgeschehens wie “Alitalia” oder “riforma Gelmini” oder “Lega nord” auf www.internazionale.it in die Google-Suchmaske, die die Unterseiten/Archive der Domain durchsucht einzugeben und zu lesen, was internationale Journalisten und Korrispondenten zu einem italienischen Thema schreiben, und dann am nächsten Morgen im auf der Speiseeiskühltrühe in der Bar ausliegenden “Messaggero” was völlig anderes zur gleichen Sache zu lesen. Auch die Suche nach Namen ist sehr ergiebig - “Gianfranco Fini”, “Silvio Berlusconi” - und zeichnet ein ziemlich komplexes Bild der Figur, die Italien außerhalb Italiens abgibt.

Jetzt hat Internazionale auch eine Facebook-Page.

Silvio Berlusconi ist keine Witzfigur

Okay, es wird kaum einen geben, der diese Szenen nicht gesehen hat, nicht Neues; trotzdem sollen sie natürlich auch hier archiviert werden (falls jemand das Ding mit deutschen Untertiteln findet, wäre ich für einen Hinweis dankbar).

Wer diese Dimension von Selbstgerechtigkeit und Ignoranz nicht im privaten, im Geschäfts-/Arbeitsleben, am eigenen Leib erfahren hat, wer nicht erlebt hat, wie sie im Lauf der Jahre zur Alltäglichkeit wird, der weiß gar nicht, der hält es gar nicht für möglich, dass es sie gibt. Und genau das ist die große Gefahr. Denn auch wenn er so aussieht, und auch wenn ihn momentan innerhalb weniger Monate das Schicksal Michael Jackson’s zu ereilen scheint: Silvio Berlusconi ist keine Witzfigur. Das begreift man aber erst, wenn man jeden Tag mit denen zu tun hat, die ihn produzieren.

Italienische Küche
Die italienische Küche





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