Das italienische Parlament. Hier treffen sich Italiens Senioren.

admin 13. April 2008

Abends in der Bar der Kameraschwenk der Telegiornali über das italienische Parlament: Ein Altersheim mit Geschlechtertrennung. Hier treffen sich Italiens Senioren, anstatt mit ihren Enkeln am Strand spazieren zu gehen.

Silvio Berlusconi geht hier, nachdem man ihm mehrfach die Gesichtshaut hinter die Ohren gezogen hat, immer noch als einer von der Abteilung Jung und Dynamisch durch, ist aber über 70. Der Präsident der Republik, Giorgio Napolitano (Jahrgang 1925), ist vor kurzem mal in seinem Thronsessel zusammengesackt, hat sich aber unter dem gerührten Beifall der Anwesenden nochmal wieder hoch stemmen können. Ich warte noch auf den Tag, an dem er am Tropf reingekarrt wird. Dann gibt es jede Menge Senatoren auf Lebenszeit, die hängen da also rum, bis zum Ende, z. B. Giulio Andreotti, seit 1946! Frauen?

Aber das ist nicht nur in der Politik so, sondern überall. Das ist Alltag. Wenn ich mit deutschen oder schweizer Auftraggebern telefoniere, habe ich es in der Regel mit einem freundlichen männlichen oder weiblichen Gesprächspartner zwischen 30 und 40 zu tun, der mit mir zusammen bemüht ist, zum besten Ergebnis zu kommen und mir das Gefühl gibt, dass er meine Arbeit zu schätzen weiß. Handelt es sich beim Auftraggeber um ein italienisches Unternehmen, hängt am anderen Ende der Leitung mit einiger Sicherheit ein greiser, cholerischer Dreckssack, der überzeugt ist, dass die Erde und alle Planeten ihn umkreisen müssen und er mir einen großen Gefallen tut, wenn er mir die Ehre erweist, für ihn arbeiten zu dürfen. Das erste Anschreiben lautet meist: “Hoch verehrter Herr Dr., … bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit und sende Ihnen die untertänigsten Grüße”. Im zweiten Schreiben werden sie gleich frech wie Dreck.

Italien wird von solchen Leuten regiert beherrscht und es scheint, dass nichts in der Welt das ändern kann.

[Übersetzung Italienisch, Dolmetscher, Dolmetscherin]

Wahlen in Italien. Wahlkampf mit Google AdWords.

admin

Italien steht wieder mal vor Neuwahlen, diesmal sollen sich die paar Italiener, die am 13. und 14. April nichts besseres zu tun haben, zwischen den beiden Rechtsparteien der Populisten Walter Veltroni und Silvio Berlusconi entscheiden.

Walter Veltroni’s “Demokratische Partei” macht jetzt Wahlkampf mit Google AdWords, schaltet mit dem Keyword Scuola Elementare” (Grundschule) Werbekampagnen.

Yes we can! “Si può fare” lautet der entliehende Slogan der Demokratischen Partei, den man aus dem Italienischen auch mit “kann man machen” übersetzen kann. Ja, kann man machen, macht man aber nicht.

Überleben in Italien

admin

Überleben in Italien: Straßenverkehr


Ich fliege nicht gerne, bin immer sehr gerne Auto gefahren, daher nie aus Europa raus gekommen, habe mich aber - manchmal monatelang on the road von Bar zu Bar - in wahrscheinlich jedem mediterranen Kuhdorf zwischen Lissabon und Athen mal blicken lassen. In Hamburg habe ich ein paar Jahre lang ein Taxi durch die Gegend kutschiert, Heimatposten Reeperbahn-Stein.

In Deutschland kann man ja beim Autofahren in der Stadt die Zeitung lesen und Gedichte schreiben. In Italien, insbesondere in Rom und Neapel, ist das anders und langsam vergeht mir die Lust. Da ist nix mit Gegend ansehen und entspannt Musik hören. Da sind in jedem Moment 100% Deiner Aufmerksamkeit allein für die Verkehrsteilnahme gefragt. An jeder blöden Dorfkreuzung ergibt sich eine andere Situation, rechts schiebt sich eine Vespa vorbei, über die kreuzende Straße donnert, Vorfahrt oder nicht, ein 30-Tonner, ohne nach links und rechts zu sehen, weil es eben ein 30-Tonner ist … (Guter Rat: Keinesfalls vor einem Zebrastreifen anhalten, damit bringt man die Fußgänger in Lebensgefahr, weil mit Sicherheit irgendein Idiot mit voller Geschwindigkeit vorbeizieht).

Italien wird zu den reicheren Ländern Europas gezählt. Das mag, was die Einkaufskraft des Einzelnen betrifft, stimmen; das Bruttosozialprodukt ist aber im Jahr 2007 nach dem Griechenlands das niedrigste in Europa. Um das zu sehen, braucht es keine Berichte der EU, es reicht aus, mal ärztliche Hilfe zu benötigen, oder ein schulpflichtiges Kind zu haben, oder mit öffentlichen Verkehrmitteln unterwegs zu sein. Hier wird investiert, wo schneller Verdienst in Aussicht steht, ansonsten nicht.

Das hat dazu geführt, dass jede Menge hochglänzender Daimler, BMW, Audi, Opel, Ford, VW (wer kein deutsches Auto fährt, ist Proletariat) über schlaglöchrige Straßen (Krater kommt den Tatsachen wahrscheinlich näher als Schlagloch) aus den frühen 60er Jahren heizen, keine Ampeln, keine verkehrsberuhigten Zonen.

Wenn ich meinen 6-jährigen Legolas morgens in die Schule bringe, überqueren wir die Straßen wie Katzen, huschen im rechten Moment zwischen zwei parkenden Wagen hervor und verschwinden im nächsten Moment auf der anderen Straßenseite in der sicheren Lücke zwischen zwei anderen parkenden Wagen. Diese an den Straßenrändern parkenden Wagen stehen da übrigens immer bis genau zur Ecke der Kreuzung oder sogar darüber hinaus, so dass man, auch wenn man die kreuzende Straße mit dem Auto überqueren will, insbesondere, wenn man wie ich, Wagen mit einer längeren Schnauze bevorzugt, denkbar schlechte Karten hat. Um die kreuzende Straße nämlich zumindest 50 m weit einblicken zu können, muss man sich schon fast mitten drauf stellen und angesichts der durchschnittlichen Geschwindigkeit von 70 bis 80 km/h (in Wohngebieten) sind 50 m ziemlich wenig und so kracht es auf der Kreuzung vor dem Haus durchschnittlich 2-3 mal am Tag, und das seit Jahren.

Meiner Liebsten sage ich, wenn sie ausgeht: “Pass auf Dich auf. Keine Agressionen, vor allem keine Pädagogik, nur ans reine Überleben denken. Wenn’s eine Ampel gibt, warten bis grün kommt und die Straße überqueren, als ob rot wäre, ansonsten wie die Katzen.”

Das gilt nicht nur für den Straßenverkehr, sondern grundsätzlich und überall, zumindest in Rom und südlich davon.

Hallo Welt!

admin

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