Ciambellone

Ciambellone pirata, Piratenkuchen

Mit Süßspeisen hab ich’s ja eher weniger und wenn einer meinen Leuten von früher erzählt, dass ich jetzt auch noch Kuchen backe, dann legen die sich glatt hin. Tu ich aber. Ist total einfach.

Zum Beispiel Ciambellone (der klassische italienische Ciambellone ist eigentlich ein Kranz. Da passt aber kein Schiff drauf, deshalb nehm ich eine Tortenform).

CiambelloneBasisrezept: Ciambellone

Die Maßeinheit ist ein Joghurtbecher (125g)

3 Eier
1 Becher Zucker
3 Becher Mehl
1 Becher Naturjoghurt
1 Tüte Backpulver* (16g)
1 Espressotasse Olivenöl

* Anlässlich der Übersetzung eines Slowfood-Führers durch die Trattorien des Piemont vor ein paar Jahren habe ich gelernt, dass “Lievito secco” mit “Backpulver” übersetzt wird - bescheuertes Wort: Backpulver.

Zuerst die drei Eier und den Zucker mit einem Schneebesen gut verrühren, dann Mehl, Olivenöl, Joghurt und Backpulver dazu rühren und alles zusammen in einer mit Butter eingefetteten Backform für 35 Minuten in den auf 180° vorgeheizten Backofen. Fertig. Gelingt immer.

Da kann man jetzt wunderbar mit rumexperimentieren, kandierte Früchte oder Rosinen in den Teig mischen, oder irgendwelche Alkoholika reinschütten. Mir reicht meistens eine abgeriebene Zitronenschale, und etwas Puderzucker.

Küche Kochen Blog: Anonyme Köche

Den besten Vertrag meines Lebens habe ich vor mehr als zehn Jahren anlässlich der Gründung eines gemeinsamen Haushalts mit meiner immer noch aktuellen Lebensabschnittsbegleiterin und Mutter eines meiner Kinder Liebsten geschlossen. Die einzige Vertragsklausel wurde nur einmal und nur in einem Nebensatz erwähnt. Sie lautet: “Du kochst, ich mach die Wäsche, für den Rest bezahlen wir jemanden”. Seitdem koche ich. An diesen Vertrag habe ich mich bis heute gewissenhaft gehalten und das Beste aus meiner Aufgabe gemacht - was ich auch dem Vertragspartner gerne zugestehe.

Anonyme KöcheIn Italien ist man da ja eigentlich am richtigen Platz, denn in Italien kocht jeder und über das Essen und Kochen wird immer gesprochen; der Austausch von Küchenweisheiten, Tricks und Tipps, Berichte von kulinarischen Erlebnissen und leidenschaftlich geführte Diskussionen zur Herkunft und Geschichte von Gerichten und deren einzig korrekter Art sie zuzubereiten gehören zu jedem Treffen mit Freunden, Bekannten und Tresennachbarn.

Wenn Gäste kommen - und die kommen natürlich oft - und der Koch sich auf die Schulter klopfen lassen kann, ist das immer eine schöne Sache; man überlegt sich schon ein paar Tage vorher, was man denen auftischt und verbringt einen befriedigenden Vormittag in der Küche. Das alltägliche Kochen und Einkaufen für eine Familie ist allerdings eine ganz andere Sache und manchmal auch einfach nur ätzend. Schon mehrfach bin ich mit dem Gedanken morgens wach geworden: Was koch ich heute, was kauf ich ein? Ich hab an anderer Stelle schon erwähnt, dass ich wohl eher in eine Hausmänner-Selbsthilfegruppe, als auf die Küchenakademie gehöre.

[Foto: Andrea Nolte]

Die beste Selbsthilfe, die es gibt, wenn man irgendwas jeden Tag zu tun hat, ist, die Sache in Bewegung zu bringen und spannend zu machen, was dazu zu lernen und sich umzusehen, wie es denn den anderen mit der gleichen Sache geht. So ist mein Feedreader inzwischen voll von Koch- und Küchenblogs und ich schreibe sogar selbst und habe kürzlich fünfzig Euro für eine kleine Knipse investiert (es gibt da drei Einstellungen, Landschaft, Portrait und Detail, leider habe ich die Bedienungsanleitung verloren und irgendwie habe ich manchmal das Gefühl, meine Teller ständig mit der Einstellung für Landschaften zu knipsen, aber auch die zukünftige Konfrontation mit den Geheimnissen der Food-Fotografie und die Anschaffung einer angemessenen Ausrüstung schreckt mich nicht).

Mein Lieblingsküchenblog: Anonyme Köche vom schon lange nicht mehr anonymen Claudio Del Principe. Wenn mein Feedreader mir anzeigt, dass es bei Claudio was Neues gibt, hat alles andere erstmal Zeit und natürlich habe ich schon so einige der dort erschienenen Artikel getwittert und/oder in meinem Facebook verlinkt und auch im Kommentarbereich des Blogs ab und an von mir hören lassen und immer eine freundliche Antwort erhalten. Als ich letztes Jahr von einem längeren Auslandsaufenthalt zurück nach Rom gekommen bin, lag auf meinem Schreibtisch eine Postsendung vom Verlag Gräfe und Unzer (GU) mit Grüßen vom Autor und den Anonymen Köchen als Buch. Grazie mille dafür, Claudio, hat mir eine Riesenfreude gemacht, wunderbares Buch, inspiriert, macht Spaß!

Rezensionen und Interviews

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Pasta alla cornuta

Die Pasta für den gehörnten Ehemann

Pasta alla Cornuta (Thunfisch)Eigentlich handelt es sich bei der Pasta alla cornuta, genauso wie bei der Pasta alla puttanesca, mehr um die Lösung eines Problems, als um ein bestimmtes Rezept. Eine Pasta alla cornuta kocht die Ehefrau, die wenige Minuten, bevor ihr Mann zu Hause eintrifft, von einem Treffen mit ihrem Liebhaber zurückkommt.

Wenn man im italienischsprachigen Netz nach der Pasta alla cornuta sucht, findet man auf den ersten beiden Seiten der Google-Ergebnislisten 17 Einträge: 17 x dasselbe Rezept. wortwörtlich aus einem alten Büchlein abgepinnt.

Zutaten: Thunfisch (100g in Olivenöl), Butter, Parmesan, Salbeiblätter.
Zubereitung: Butter, Thunfisch (Öl natürlich abgießen) Parmesan und ein paar Tropfen Pastawasser zu einer Creme verrühren. Kurze Pasta (nicht ganz abtropfen lassen) dazu, noch etwas Parmesan drüber reiben und ein paar Salbeiblätter oben drauf legen. Fertig.

Aber natürlich gibt es soviele Rezepte, wie fremdgehende Ehefrauen. Wichtig ist, dass der Ehemann keinen Verdacht schöpft und seinem Mahl gar nicht anmerkt, dass es auf die ganz große Schnelle zubereitet wurde.

Für meine Nachbarin Antonella scheint es jedesmal um Sekunden zu gehen. Sie lässt sogar den Thunfisch weg, bricht die Spaghettini (Kochzeit = 7 Minuten) in 4-5 cm kurze Stücke (lange Pasta passt nicht so zur Creme, kurze kocht zu lange) und rührt sie mit etwas Pastawasser in eine Creme aus Butter, Parmesan und Milch. Natürlich schwört sie, dass die echte und originale Pasta alla cornuta nur so gekocht wird.

DonnaMeine Liebste setzt mir Pasta con la ricotta vor. Schneller als in 7 Minuten geht’s ja sowieso nicht. Von den 7 hat sie aber sogar 5 für sich - um sich wieder in Form zu bringen. Ricotta in der Servierschüssel mit Muskatnuss, Parmesan und Pastawasser zu einer Creme verrühren, Pasta rein und - wenn es die Zeit noch erlaubt - zum Schluss etwas Muskatnuss oben drüber reiben - sieht besser aus.

Viel Spaß beim Fremdgehen.

Toskana, Umbrien: Pane sciapo. Brot ohne Salz.

Der Salzkrieg

(Die nachfolgenden ersten beiden Abschnitte im Plauderton zwischen Aperitivo und Antipasti einbauen)

Als Papst Paulus III, einer der ganz blutdurstigen, 1531 eine Salzsteuer erhob und die Einwohner Perugias dazu zwingen wollte, ihr Salz zu einem absurd hohen Preis in den päpstlichen Salzminen zu kaufen, um so den Kampf gegen lutheranische Ketzer zu finanzieren, entbrannte die sogenannte „Guerra del Sale“, der Salzkrieg, in dessen Verlauf die päpstlichen Schlächter ein Blutbad unter den Bürgern der Stadt anrichteten und den Teil Perugias, von dem der Aufstand ausgegangen war, restlos niedergebrannten.

Das zum Konservieren von Lebensmitteln seinerzeit unverzichtbare Salz war von einem Tag zum anderen so gut wie unbezahlbar geworden und so war es mehr als nur eine naheliegende Idee, es bei der Brotherstellung wegzulassen. Der “filone sciapo” = fader Brotleib (natürlich ein weißes Brot), ist noch heute, auch außerhalb Umbriens und der Toskana, sehr verbreitet und beliebt. Man kann ihn inzwischen sogar im südlicheren Italien in fast jedem Supermarkt kaufen.

brot-ohne-salzWenn man sich im deutschen Netz mal kurz umtut, was andere in Foren und Kommentaren zum Thema “Brot ohne Salz” zu sagen haben, findet man auf den ersten Blick jede Menge Aussagen wie “nie wieder”, “furchtbar”, “ungenießbar”. Okay, die haben wahrscheinlich Butter und Marmelade draufgeschmiert und es zum Frühstück gegessen.

Zugegeben, Brot ohne Salz ist gewöhnungsbedürftig. Wenn man’s zum ersten mal probiert, ist das ein ziemlich komisches Gefühl, irgendwie, als würde einem alle Flüssigkeit aus dem Mund gezogen. Möglicherweise trägt auch die enttäuschte Erwartungshaltung zu diesem eigenartigen Effekt bei.

Tatsache ist, dass der vor fast 500 Jahren in einer Ecke Italiens aus der Not geborene fade Brotleib bis heute etwas angetreten hat, das man schon einen Siegeszug nennen kann. Im richtigen Kontext ist das toskanische Brot ohne Salz fast eine Delikatesse. Es passt u. a. bestens zu Antipasti, zu marinierten Meeresfrüchten [ Alici marinate, marinierte Sardellen], Salaten, zu allem, wo ein bisschen Essig drin ist. Man schiebt sich damit den Salat auf die Gabel, wischt ein bisschen in der Marinade auf seinem Teller herum. Perfekt. Probiert mal.

In Deutschland kann man pane sciapo allerdings nur bei italienischen Lebensmittelhändlern und in einigen Delikatessengeschäften kaufen. Oder selbst backen - es gibt ja Leute, die machen sowas - Rezepte stehen im Netz.

Die beste Küche der Welt

Die italienische Küche ist die beste Küche der Welt

Italiener sagen, die italienische Küche ist die beste Küche der Welt, die einzige, die man essen kann, und wenn man da widerspricht, findet man sich 100% in einem heftigen Wortgefecht wieder, das normalerweise bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 endet. Italiener landen in Barcelona oder Paris oder Bangkok und suchen erst einmal die nächste Pizzeria.

Okay, die italienische Küche hat natürlich was. Das Problem ist nur: Man muss sie sich schon selber kochen. Wer, wie ich, auch an ganz normalen Tagen gern draußen zu Mittag isst, der muss sich, zumindest in den Städten (auf dem Land sieht’s besser aus), wenn er nicht richtig Geld auf den Tisch legt, mit Pizza vom Backblech aus dem 360° Elektrobackofen oder Tramezzini (Sandwiches) begnügen, bei denen man meint, seine Zähne in eine Rolle Küchenpapier zu schlagen. So einen Mist wie hier, hat man mir noch in keinem Land, in dem ich mich länger aufgehalten habe, vorgesetzt.

Da ich nicht an jedem Wochentag 30 Euro/Person für ein annehmbares Pastagericht und ein paar annehmbare Gläser Wein auf den Tisch legen möchte und meine aktuelle Lebensabschnittsbegleiterin und Mutter eines meiner Kinder sich im Leben nicht an einen Küchenherd stellen würde, ist die Sache an mir hängen geblieben und ich bin inzwischen zum Veranstalter hochgeschätzter Menüabende und in Küchenfragen häufig konsultierten Ratgeber meines erweiterten Bekanntenkreises geworden.

Um also auch Twitterern und normalen Menschen da draußen Einblicke in meine Kunst zu gewähren, dieses Küchenblog.

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